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Oskar Speck paddelte von Ulm nach Australien

Am Morgen des 13. Mai 1932 begab sich Oskar Speck, ein Elektriker mit Schulden, unscheinbar auf eine Reise am Ulmer Ufer der Donau. Keine Gedenktafel oder Statue in Deutschland erinnert an diesen Mann, der vor 90 Jahren eines der größten menschlichen Abenteuer vom Ufer von Ulm aus startete. Er stieg in sein instabiles Faltboot und paddelte über Flüsse, durchquerte Seen und Ozeane, wurde geschlagen, beschossen und ausgeraubt, litt Hunger, überstand Malaria und wurde bei seiner Ankunft in Australien nach sieben Jahren in ein Gefangenenlager gebracht.

Trotz seines bemerkenswerten, wenn auch weitgehend unbekannten Rekordes, blieb Specks außergewöhnliche Reise größtenteils im Dunkeln. “Er machte damals Schlagzeilen, aber es war einfach die falsche Zeit”, sagt Tobias Friedrich, Musiker und Autor des biografisch geprägten Romans “Der Flussregenpfeifer”. Speck, der seine Reise und Verhaftung in Australien überlebte, war einer der letzten, die das Lager verließen und konnte seinen Erfolg in seinem neuen Zuhause kaum ausschlachten.

Speck startete seine Reise mit nur zehn Reichsmark in der Tasche und wollte vor allem dem Deutschland der Weltwirtschaftskrise entfliehen, da sein Unternehmen bankrott gegangen war. Er hoffte, in den Kupferminen Zyperns Arbeit zu finden. Mit nur dem Nötigsten im Gepäck, das in seinem kleinen, zerlegbaren Kajak Platz fand, machte er sich auf den Weg über Österreich, Ungarn, Bulgarien, das Mittelmeer und die Türkei, immer entlang der Küste oder in Ufernähe, um sich orientieren zu können.

Speck konnte sich allerdings keine großen Bewegungen in seinem Boot leisten, da er nicht schwimmen konnte. Seine Reise führte ihn schließlich nach Syrien, entlang des Euphrat, vorbei an Saudi-Arabien, Indien, Myanmar und Indonesien. Er hielt Vorträge in Bombay, arbeitete sporadisch und erlebte seine 50.000 Kilometer lange Reise wie in einer Blase. Erst wenige Tage vor seiner Ankunft in Australien im September 1939 erfuhr er von den dramatischen Veränderungen in seiner Heimat.

Nach seiner Ankunft in Australien wurde Speck festgenommen, da das Land seit einigen Wochen Krieg mit Hitlers Deutschland führte. Nach dem Krieg wurde er freigelassen und ließ sich schnell auf dem fernen Kontinent nieder, verdiente sein Geld im Opalhandel und baute sich als australischer Staatsbürger ein Haus auf einer Klippe. Er kehrte nur einmal, 1970, nach Deutschland zurück und starb 1993 im Alter von 86 Jahren.

Trotz seiner mangelnden Anerkennung war Speck zufrieden mit seinem Leben als unbekannter Abenteurer. “Ich bin zufrieden, Anerkennung oder keine Anerkennung”, schrieb er in einem seiner letzten Briefe an seine Schwester Grete.

Specks Rekord wurde jedoch teilweise von der Australierin Sandy Robson zwischen 2011 und 2016 angefochten, die einen Großteil von Specks Strecke nachfuhr, einige Gebiete aber aufgrund von Konflikten und Kriegen auslassen musste.

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