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40.000 Bäume. Und die Stadt kennt jeden einzelnen.

Jeder Baum hat seine eigene Akte

Wenn ihr durch Ulm spaziert, lauft ihr an ihnen wahrscheinlich vorbei, ohne ihnen viel Beachtung zu schenken. Sie stehen am Straßenrand, auf Spielplätzen, in Parks oder entlang der Donau. Sie spenden Schatten, filtern Feinstaub und sorgen dafür, dass die Stadt im Sommer ein paar Grad kühler bleibt. Doch was kaum jemand weiß: Jeder einzelne dieser rund 40.000 Stadtbäume hat seine eigene digitale Akte.

Nein, das ist kein Witz.

Für jeden städtischen Baum ist genau dokumentiert, wo er steht, welche Baumart er ist, wie groß sein Stamm ist, wann er zuletzt kontrolliert wurde und ob es in der Vergangenheit Schäden gab. Ein abgebrochener Ast nach einem Sturm? Vermerkt. Pilzbefall? Gespeichert. Die Krone wurde zurückgeschnitten? Auch das landet im System. Über Jahre entsteht so die komplette Geschichte eines Baumes.

Warum die Stadt jeden Baum überwacht

Das hat einen guten Grund. Anders als im Wald stehen Stadtbäume oft direkt neben Straßen, Gehwegen, Bushaltestellen oder Häusern. Bricht dort ein großer Ast ab oder stürzt ein Baum um, kann das schnell gefährlich werden. Deshalb muss die Stadt regelmäßig nachweisen können, dass sie ihrer Verkehrssicherungspflicht nachkommt.

Die Software weiß, welcher Baum als Nächstes dran ist

Dafür gibt es geschulte Baumkontrolleure. Sie laufen allerdings nicht einfach nach Gefühl durch die Stadt und schauen hier und da mal nach oben. Stattdessen arbeitet Ulm mit einem digitalen Baumkataster. Das System erinnert die Mitarbeiter daran, welche Bäume als Nächstes kontrolliert werden müssen. Gesunde Bäume werden in größeren Abständen überprüft. Zeigt ein Baum Auffälligkeiten, verkürzt sich das Kontrollintervall automatisch. Im Grunde funktioniert das wie der Wartungsplan eines Autos – nur eben für lebende Organismen.

Worauf die Experten achten

Bei jeder Kontrolle achten die Experten auf kleinste Hinweise. Gibt es Risse im Stamm? Sind Äste abgestorben? Hat sich ein Pilz ausgebreitet? Sind Wurzeln beschädigt oder zeigt die Krone ungewöhnliche Veränderungen? Viele dieser Schäden würden Spaziergängern niemals auffallen. Für einen erfahrenen Baumkontrolleur können sie jedoch erste Warnzeichen sein.

Je nach Ergebnis wird ein Baum weiter beobachtet, zurückgeschnitten oder – wenn es keine andere Möglichkeit gibt – gefällt. So soll verhindert werden, dass Menschen durch herabfallende Äste oder umstürzende Bäume verletzt werden.

Wenn Bäume plötzlich Daten senden

Ulm geht inzwischen sogar noch einen Schritt weiter. Im Projekt „Talking Trees“ wurden einige Bäume mit Sensoren ausgestattet. Sie messen unter anderem die Bodenfeuchtigkeit und liefern Daten darüber, wie es dem Baum geht. Ziel ist es, die Bewässerung künftig gezielter zu steuern und gerade in trockenen Sommern schneller reagieren zu können.

Ein Baum kann zwar nicht sprechen – Daten liefern kann er inzwischen trotzdem.

Beim nächsten Spaziergang…

Beim nächsten Spaziergang lohnt sich deshalb vielleicht ein anderer Blick nach oben. Der Ahorn an der Bushaltestelle, die Linde vor dem Rathaus oder die Platane am Donauufer sehen für uns aus wie ganz normale Bäume. Für die Stadt sind sie jedoch Teil eines riesigen digitalen Registers. Mit eigener Nummer, eigener Geschichte und dem nächsten Kontrolltermin längst im Kalender.

Manchmal steckt hinter einem ganz gewöhnlichen Baum deutlich mehr Technik, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

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