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Mehr als 20 Puffs in Ulm. Warum hört die Statistik an der Donau plötzlich auf?

Wenn man an Ulm denkt, fallen einem vermutlich zuerst das Münster, das Fischerviertel oder die Donau ein. Vielleicht noch der höchste Kirchturm der Welt. Aber sicher nicht das Rotlichtmilieu.

Dabei gibt es kaum ein Thema, bei dem die offiziellen Zahlen so überraschend sind.

Denn in Ulm sind 20 Prostitutionsbetriebe offiziell registriert. Darunter befinden sich 14 Bordelle, fünf Tantra-Massagepraxen und eine Escort-Agentur. Für eine Stadt mit rund 130.000 Einwohnern ist das durchaus eine beachtliche Zahl. Sie zeigt: Das Rotlichtmilieu ist auch in einer mittelgroßen Stadt längst kein Randthema.

Die eigentliche Überraschung liegt auf der anderen Donauseite

Wer jetzt denkt, in Neu-Ulm werde es ähnlich transparent sein, irrt.

Denn dort endet die öffentliche Statistik beinahe abrupt.

Die letzte offiziell bekannte Zahl stammt aus einer gemeinsamen Fachkonferenz der Städte Ulm und Neu-Ulm gegen Menschenhandel aus dem Jahr 2021. Damals wurden für Neu-Ulm gerade einmal drei Betriebe mit Rotlichtcharakter genannt.

Seitdem? Stille.

Keine aktuellen Zahlen. Keine regelmäßigen Statistiken. Keine Übersicht darüber, wie sich die Szene entwickelt hat.

Das ist bemerkenswert. Schließlich bilden Ulm und Neu-Ulm wirtschaftlich und gesellschaftlich längst einen gemeinsamen Ballungsraum.

220 Sexarbeiter. Aber wo arbeiten sie?

Noch spannender wird es, wenn man dieselbe Fachkonferenz weiterliest.

Dort findet sich eine Zahl, über die kaum jemand spricht.

Vor der Corona-Pandemie arbeiteten in Ulm und Neu-Ulm zusammen täglich rund 220 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter. Das wirkt zunächst erstaunlich.

    Denn gleichzeitig waren damals lediglich 32 offiziell gelistete Rotlichtbetriebe bekannt. 29 in Ulm und drei in Neu-Ulm.

    Wie passt das zusammen?

    Das klassische Bordell ist längst nicht mehr alles

    Wer bei Prostitution an rote Leuchtreklame und große Laufhäuser denkt, hat ein Bild im Kopf, das immer weniger mit der Realität zu tun hat.

    Ein großer Teil der Branche hat sich in den vergangenen Jahren verändert.

    Heute arbeiten viele Menschen in Terminwohnungen, über Escort-Agenturen oder werden über Online-Portale vermittelt. Für Außenstehende ist davon oft nichts zu erkennen. Genau deshalb sprechen Polizei und Beratungsstellen seit Jahren davon, dass das Milieu deutlich unübersichtlicher geworden ist.

    Die sichtbaren Bordelle sind längst nur noch ein Teil des Gesamtbildes.

    Warum veröffentlicht Neu-Ulm keine Zahlen?

    Darauf gibt es bislang keine öffentliche Antwort.

    Während die Stadt Ulm ihre Zahlen mehrfach im Zusammenhang mit Fachkonferenzen und politischen Diskussionen veröffentlicht hat, beschränkt sich Neu-Ulm überwiegend auf Informationen zum Prostituiertenschutzgesetz und zu den gesetzlichen Vorgaben für Betriebe und Prostituierte. Wie viele Betriebe aktuell genehmigt sind oder wie viele Menschen dort angemeldet arbeiten, veröffentlicht die Stadt nicht.

    Das bedeutet nicht, dass diese Daten nicht existieren. Sie werden lediglich nicht öffentlich kommuniziert.

    Ein Thema, über das kaum gesprochen wird

    Das Rotlichtmilieu gehört zu jeder größeren Stadt. Trotzdem wird darüber selten offen gesprochen.

    Vielleicht gerade deshalb überraschen die Zahlen so sehr.

    20 offiziell registrierte Prostitutionsbetriebe in Ulm. Drei bekannte Betriebe in Neu-Ulm. Gleichzeitig waren vor der Pandemie täglich rund 220 Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter in der Doppelstadt tätig.

    Das zeigt vor allem eines: Wer glaubt, das Rotlichtmilieu bestehe nur aus Bordellen mit Neonreklame, unterschätzt, wie stark sich die Branche in den vergangenen Jahren verändert hat.

    Und vielleicht ist genau das die spannendste Erkenntnis: Nicht die Zahl der Bordelle ist das eigentlich Überraschende. Sondern wie wenig man heute noch von der Szene sieht.

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