“3D-Druck ist die Zukunft” | Interview mit Fabian Frommer von der Hochschule Neu-Ulm

Lieber drucken statt kaufen? Fabian Frommer ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Hochschule Neu-Ulm. In seiner Doktorarbeit untersucht er die Möglichkeiten von 3D Druckern in der Logistik.

Übrigens: Weil das Thema 3D-Druck in Zukunft immer wichtiger wird, hat die Hochschule Neu-Ulm die 1. Süddeutsche 3DDruck-Challenge ins Leben gerufen. Mehr Infos dazu unter diesem Link.

Wird der 3D-Druck immer wichtiger? Auch für „Normalmenschen“, die keine Nerds sind?
Ja, davon gehen wir auf jeden Fall aus. Bisher war es ja so, dass der 3D Druck hauptsächlich für Prototypen eingesetzt wurde oder eben privat von Bastlern. Aber die Technologie entwickelt sich immer weiter. Es werden auch immer mehr Anwendungsfelder erschlossen. Grade zum Beispiel in der Ersatzteillogistik, wo die klassischen Auflagen nicht so hoch sind und wo ich vielleicht mit einem Spritzguss erstmal eine Form erstellen muss, die sehr teuer ist. Das lohnt sich bei einer kleinen Stückzahl nicht. Es gibt also wirtschaftliche Vorteile beim 3D Druck. Weitere Anwendungsfelder sind eigentlich alle Bereiche, in denen es um Individualisierung geht. Zum Beispiel bei Prothesen. Da ist 3D Druck natürlich auch top geeignet dafür. Ich muss ja einfach nur am PC ein Modell erstellen und vielleicht auch mal was scannen. Der 3D Druck ist in der Medizintechnik sehr wichtig. Im dentalen Bereich wird schon viel damit gemacht.

Das interessante ist, dass in Zukunft der Datentransport den Materialtransport ersetzen wird. Das bedeutet, das letztendlich nicht mehr Güter transportiert werden, dafür aber die Daten.

Das macht Sinn. Denn ganz ehrlich: wir haben uns schon gefragt, was ein 3D Drucker im Logistiklabor zu suchen hat …
Diese Frage höre ich immer wieder – „Was machen 3D Drucker im Logistiklabor?” Aber es liegt auf der Hand: die Idee ist, dass der 3D Druck im Logistikbereich eine disruptive Technologie sein kann. Wenn Sie sich vorstellen, Sie bestellen kurz vor Weihnachten was bei Amazon. Dann bestellen Sie sich vielleicht irgendeinen Kuli oder was aus Plastik, eine Gießkanne oder so – etwas, was man eigentlich auch drucken könnte. Dann wird das im Zweifel wahrscheinlich in China produziert, weil es da günstig ist. Dann wird es ins Verteilzentrum verschifft oder irgendwohin geflogen mit dem Flugzeug. Und dann muss es erst vom Verteilungszentrum zum Endkunden kommen. Das heißt, da gibt es eine relativ lange Logistikkette. Und das verursacht natürlich auch Kosten und eine hohe Umweltbelastung. Und wir wollen den Warentransport durch Datentransport ersetzen. Wir kaufen also möglicherweise in Zukunft digitale Baupläne, die wir uns runterladen. Und in Zukunft haben wir dann vielleicht einfach lokale Druckzentren so wie heutzutage Copyshops, die die Produkte dann ausdrucken. Dann muss der Kunde nur noch zum Copyshop gehen und sich sein Produkt ausdrucken lassen.

Das ist gar nicht mal so weit in der Zukunft, oder?
Nein, das ist gar nicht mehr so weit in der Zukunft. Meine Promotion handelt von diesem Thema. Ich untersuche, wie weit das umsetzbar ist und welche Auswirkungen das auf Mobilität hat. Es ist auf jeden Fall ein spannendes Feld, in dem man auch noch viel forschen muss.

Aber auch mit günstigen Druckern die so um 200 Euro kosten würden, würde sich bereits etwas Anständiges drucken lassen, oder?
Auf jeden Fall. Also wenn man daheim 16 oder 18 Jährige hat die gerne tüfteln, dann hat man ein paar Tage Ruhe. Aber das ist so die untere Grenze. In der Industrie geht es natürlich viel höher. Da gehts dann auch in den Metalldruck. Da sind das dann vielleicht 100.000 oder mehr Euro. 

Bald startet die erste süddeutsche 3D Druck Challenge. Was ist das Ziel von der Challenge?
Wir möchten die Menschen dazu bringen, sich intensiv mit dem 3D Druck zu beschäftigen.  Bei der Challenge sollen die Teilnehmer ein innovatives Produkt mit Hilfe von 3D-Druck entwickeln und produzieren. Mit diesem Produkt soll entweder Geld verdient oder Geld eingespart werden können. Und wer das am besten macht, gewinnt.  In der Jury sitzen Vertreter von Daimler Buses, Honold Logistik, Mark3D, Max-Hilscher GmbH, eos, FabbIt Pro3D und der Volksbank Ulm-Biberach sowie der 3D-Druck Youtuber 3D-Druck-Andi. Die Firmen stiften tolle Preise für die erfolgreichen Teilnehmer.“

Mehr Informationen zur 3D Druckchallenge gibt es hier unter diesem Link