Hermann Hutter – der Glücklichmacher

Teile diesen Artikel:

Unternehmertum liegt seiner Familie im Blut: Sein Großvater gründete 1908 einen kleinen Schreibwarenladen, er selbst machte sich mit 21 Jahren mit seinem Fachgeschäft „schreiben + schenken“ selbstständig. Heute betreibt Hermann Hutter nicht nur Geschäfte in Günzburg, Ulm, Memmingen und Ludwigsburg, sondern auch eine Kochschule und mit „Huch! & friends“ einen Verlag für Brettspiele. 

Lief in Ihrem Leben bislang alles so, wie Sie sich das vorgestellt haben? 
Eigentlich wollte ich studieren. Weil mein Vater aber gesundheitlich angeschlagen war, trat ich mit 16 Jahren in den Betrieb meiner Eltern ein. Ich habe mich dann aber mit 21 Jahren selbstständig gemacht. Im Lauf der Jahre habe ich weiter expandiert und als das Angebot kam, bei abt in Ulm einzusteigen, habe ich das gerne gemacht. Eigentlich lief alles nach Plan – bis auf die Tatsache, dass ich nicht mehr zum studieren gekommen bin.

Hutter1

Nicht zu studieren, verschafft ja auch einen Zeitvorteil … 
Ja, ich konnte schon sehr früh Dinge gestalten und früh Verantwortung übernehmen. Dadurch war ich sehr unabhängig und frei. Aber das Lernen beginnt und endet nicht im Hörsaal. Man lernt ständig und muss immer offen für neues sein. Lernen, erfahren, probieren – das ist sehr wichtig! Für uns ist z.B. das digitale Thema neu. Früher hatte man einfach ein stationäres Geschäft, welches die Kunden besuchten. Nun schlägt der Puls der Zeit zunehmend digital und wir – und viele andere Geschäfte auch – müssen den Wandel schaffen. Da muss man offen sein und neues wagen, auch wenn man die digitale Sprache anfänglich überhaupt nicht versteht. Ich habe in den letzten Jahren viel Know-How aufgebaut, viel erfahren, gelesen und verstanden. Das Leben ist also ein dauerhaftes Studium.

Vor ca. zehn Jahren sind Sie Gründer des Spieleverlags „Huch! & friends“ geworden. Wer denkt sich Brettspiele eigentlich aus?
Wir entwickeln einige Spiele selbst. Und dann gibt es viele Spieleerfinder, die haben eine Idee, stellen davon Prototypen her und stellen diese den Verlagen vor. Das ist ähnlich wie bei Buchautoren, die eine Geschichte niederschreiben. Wenn uns ein Spiel gefällt, lizensieren wir die Idee, entwickeln und gestalten weiter und bringen das Spiel dann auf den Markt. In der Summe verkaufen wir inzwischen im Jahr über eine Million Spiele.

Hutter2

Was ist die größere Herausforderung? Einzelhandelsgeschäfte zu führen, oder Spiele zu vertreiben?
Der Spielverlag ist für mich wie ein eigenes Baby. Im Einzelhandel verkaufen wir Produkte, die es in anderen Geschäften auch gibt, aber die Spiele in unserem Spieleverlag haben nur wir und sind von uns kreiiert. Das ist schon ein schönes Gefühl. Wobei ich im Einzelhandel den direkten Kontakt mit den Kunden sehr liebe. Zum Glück muss ich mich nicht zwischen beiden Welten entscheiden. Im Gegenteil. Die eine profitiert von der anderen.

Abt
Was treibt Sie an? 

Was Neues zu bewegen. Nichts ist schlimmer, als das was man schon seit zehn Jahren macht. Anderen mag das gefallen, aber wenn ich etwas neues aufbauen und gestalten kann, dann habe ich eine unglaubliche Freude daran. Das treibt mich an.

Haben Sie ein Notizzettel nachts neben sich, um sich all die neuen Ideen aufzuschreiben?
Nein, das kann ich mir merken. Dazu schlaf ich viel zu gut und viel zu gerne.  Richtig gute Ideen weiß man auch noch am nächsten Morgen.

Wann haben Sie die besten Ideen? 

Oft in Situationen, die nichts mit der Arbeit zu tun haben. Beim Mountainbiken zum Beispiel. Ideen halten sich nicht an Arbeitszeiten. Als Unternehmer ist man immer im Einsatz. Heutzutage hat man das Handy ja immer dabei. Die Versuchung zum Arbeiten ist groß. Wenn man ihr zu viel nachgibt, ist das aber auch nicht so schlimm, alternativ gehe ich unter der Woche hin und wieder auch mal Privatem nach. Da darf man sich nicht so verrückt machen. Man muss Spaß haben an allem was man macht, dann geht alles viel einfacher.

Ihr Tipp an die Ulmer?
Behalten Sie eine kindliche Neugier. Dinge entdecken ist schön und hat nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der inneren Einstellung. Wenn man sich das kindliche nicht bewahrt, wird es schnell langweilig.