Backstage in der Kläranlage

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Mal ernsthaft: es gibt Themen über die spricht man nicht gerne. Über den Klogang zum Beispiel. Oder konkreter: Wohin geht eigentlich das, was wir hinterlassen? Und was passiert dann damit? Wir haben nachgefragt. 

Zuständig für die Säuberung des Abwassers der (Neu-)Ulmer ist das Klärwerk Steinhäule . Hier werden täglich 80 000 bis 150 000 Kubikmeter Abwasser der Menschen in der Region reinigt und so aufbereitet, dass es wieder Trinkwasser werden kann. Darum kümmern sich vor Ort Facharbeiter, Techniker, Meister und Ingenieure aus dem Bau-, Chemie-, Maschinenbau-, Elektro- und auch EDV-Bereich. 2000 Liter Abwasser erreichen das Klärwerk pro Sekunde! Der Chef des Klärwerks ist Georg Hiller. Er leitet den Betrieb und sorgt für sauberer Wasser.

Was passiert, wenn das dreckige Abwasser im Klärwerk ankommt?

Im ersten Schritt beginnt die mechanische Reinigung. Hier kann man noch den typischen unangenehmen Geruch wahrnehmen. Durch die mechanische Reiniung des Sand- und Fettfangs, des Feinrechens und des Vorklärbeckens wird das Wasser nur bis zu 25 % gereinigt.
Alle menschlichen Ausscheidungen, Lebensmittelreste, Fette, Slipeinlagen, Sand oder Überreste des Streusplits vom Winter, kommen mit dem Wasser in der Kläranalage an
– diese Mischung stinkt natürlich. Doch das Wasser ist verschmutzter, als man es je riechen könnte. Jeder einzelne Ulmer, jeder Landwirt und jeder Industriebetrieb trägt seinen Beitrag dazu bei.

Klaranlage
„Farbreste von Malerarbeiten, scharfe WC-Reiniger oderschwerabbaubare Stoffe gehören nicht in den Abfluss.“ ,rät Georg Hiller. Aufgrund der Abwasserverordnung muss die Industrie durch eigene Reinigungsanlagenschon selbst Vorarbeit leisten. Ein anderes Problem sind Arzneimittel – kaum zu sehen oder zu riechen, haben sie große Auswirkungen auf die Umwelt: Frauen, die die Pille nehmen, scheiden einen Teil der Hormone wieder aus. Medikamentencocktails älterer Menschen werden vom Körper nie komplett aufgenommen und Kontrastmittel zum Röntgen landen in kleinen Mengen im Abwasser.

Untersuchungen von Wasserlebewesen zeigen eine zunehmende Verweiblichung von Fischen.

Sekündlich strömen 2000 Liter Abwasser in das Klärwerk Steinhäule ein. Ohne die sogenannte adsorptive Reinigung würden 70 % der Arzneimittelrückstände in Gewässerzurückgeleitet werden. Diese Reinigungsstufe, die in Ulm Anfang 2015 eingeführt wurde, schafft es, mithilfe von Aktivkohle kleinste Mikroschadstoffe sowie viele Viren und Bakterien herauszufiltern und durch Verbrennung zu beseitigen. Ergänzend zur biologischen Reinigungsstufe, in der das Wasser durch Bakterien von Stoffen wie Phosphor oder Stickstoff befreit wird, trägt die adsorptive Reinigung einen großen Teil dazu bei, dass möglichst sauberes Wasser in die Donau geleitet wird und dann über Trinkwasseraufbereitungsanlangen wieder durch die Wasserhähne in die Ulmer Haushalte fließt.

Obwohl in der Kläranlage alle Möglichkeiten der Klärungausgeschöpft werden, wird das Wasser nie wieder vollkommen sauber.

Denn: „Trotz Aktivkohlereinigung sollten die Menschenversuchen, das Wasser weniger zu verschmutzen, zusparen und auch mehrfach zu verwenden.“, so Hiller. Denn was am Ende in der Kläranlage stinken kann, haben wir dem Wasser selbst bewusst oder unbewusst zugeführt. Aber immerhin: die Luftmessung am Klärwerk zeigen: Die Luft ist sauber.