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Ulm führt Bettensteuer ein: 44 Prozent dagegen 

Drei Euro mehr für eine Nacht in Ulm. Klingt erst einmal nicht nach einem Drama. Trotzdem findet fast die Hälfte der Menschen, die bei unserer Instagram-Umfrage abgestimmt haben, die neue Übernachtungssteuer nicht gut. Und dann ist da noch eine Frage, die uns nicht loslässt: Warum sollen Steuern bei Zucker das Verhalten verändern, bei Hotelübernachtungen aber möglichst nicht?

Ulm hat ein neues Diskussionsthema. Und nein, es geht ausnahmsweise nicht um Baustellen, Parkplätze oder die Frage, warum man für eine Brezel inzwischen gefühlt einen Kleinkredit braucht.

Es geht um drei Euro.

So viel sollen Übernachtungsgäste ab 2030 pro Nacht zusätzlich bezahlen. Der Ulmer Gemeinderat hat die neue Übernachtungssteuer am 14. Oktober 2026 beschlossen. Mit 21 zu 20 Stimmen.

Eine einzige Stimme Unterschied. Knapper kann man eine Millionenentscheidung kaum treffen.

Die Stadt erhofft sich dadurch jährlich rund 2,4 Millionen Euro zusätzliche Einnahmen. Geld, das sie angesichts ihrer angespannten Haushaltslage gut gebrauchen kann.

Aber was halten eigentlich die Menschen davon?

Wir vom Ulmer Spickzettel haben unsere Community auf Instagram gefragt.

44 Prozent sagen: Finden wir nicht gut.

Das Ergebnis unserer Umfrage fällt nicht gerade wie eine Liebeserklärung an die neue Steuer aus.

ULMER SPICKZETTEL · INSTAGRAM-UMFRAGE

Ulm führt eine Steuer auf Übernachtungen ein. Gut so? Oder nicht?

Nicht gut44 %
Gut31 %
Mir egal25 %

Quelle: Instagram-Umfrage des Ulmer Spickzettels. Nicht repräsentativ. Die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen liegt nicht vor.

44 Prozent finden die Steuer nicht gut. 31 Prozent begrüßen sie. Und 25 Prozent ist sie schlicht egal.

Natürlich ist das keine wissenschaftliche Bevölkerungsbefragung. Unsere Instagram-Community ist nicht automatisch ein repräsentativer Querschnitt der Ulmer Bevölkerung.

Aber das Ergebnis zeigt, dass die neue Abgabe zumindest unter den Menschen, die sich beteiligt haben, auf deutliche Skepsis stößt.

Und eigentlich ist das bemerkenswert. Denn die meisten Ulmer übernachten vermutlich ziemlich selten in einem Hotel in ihrer eigenen Stadt.

Warum also die Aufregung?

Drei Euro sind nicht die Welt. Oder doch?

Wer für eine Nacht nach Ulm kommt, soll künftig drei Euro zusätzlich bezahlen. Bei einem Wochenende mit zwei Übernachtungen wären das sechs Euro. Bei einer Woche schon 21 Euro.

Für jemanden, der 180 Euro für ein Hotelzimmer bezahlt, dürfte das kaum ausschlaggebend sein.

Für jemanden, der beruflich regelmäßig unterwegs ist, eine günstige Unterkunft sucht oder mehrere Nächte bleibt, sieht die Rechnung möglicherweise anders aus.

Und für Hotels geht es nicht nur um den einzelnen Gast. Sondern darum, wie attraktiv Ulm im Vergleich zu anderen Städten bleibt.

Zumal direkt nebenan eine Stadt liegt, die in dieser Diskussion eine ziemlich interessante Rolle spielt.

Neu-Ulm.

Einmal über die Donau, schon ist man in Bayern. Und möglicherweise künftig drei Euro pro Nacht günstiger unterwegs.

Natürlich entscheidet niemand ausschließlich wegen drei Euro über seinen Hotelaufenthalt. Zumindest nicht jeder.

Aber Preise beeinflussen Entscheidungen. Das ist keine besonders revolutionäre Erkenntnis.

Und genau hier wird die Diskussion spannend.

Bei Zucker soll eine Steuer wirken. Bei Hotelzimmern möglichst nicht?

Auf Bundesebene wird über eine Zuckergetränkesteuer diskutiert. Die Idee dahinter ist ziemlich einfach: Wenn stark gezuckerte Getränke teurer werden, sollen Menschen weniger davon konsumieren. Gleichzeitig sollen Hersteller einen Anreiz bekommen, den Zuckergehalt zu reduzieren.

Eine Steuer als Instrument, um Verhalten zu verändern.

Das ist durchaus nachvollziehbar. Denn Preise spielen bei Kaufentscheidungen eine Rolle.

Und jetzt schauen wir nach Ulm.

Hier soll eine zusätzliche Steuer auf Hotelübernachtungen vor allem eines bringen: Einnahmen.

Rund 2,4 Millionen Euro pro Jahr stehen als Erwartung im Raum.

In der Diskussion wurde darauf verwiesen, dass in anderen baden-württembergischen Städten mit Übernachtungssteuer die Übernachtungszahlen nicht zurückgegangen seien.

Das kann durchaus stimmen. Und es ist ein wichtiges Argument der Befürworter.

Aber die Frage bleibt: Warum gehen wir bei einer Zuckersteuer davon aus, dass höhere Preise das Verhalten beeinflussen, während wir bei einer Übernachtungssteuer offenbar darauf hoffen, dass die Gäste einfach genauso weitermachen wie bisher?

Natürlich lassen sich Softdrinks und Hotelzimmer nicht eins zu eins vergleichen.

Eine Steuer auf ein günstiges Getränk kann prozentual deutlich stärker ins Gewicht fallen als drei Euro bei einer Hotelübernachtung. Und wer aus beruflichen Gründen nach Ulm muss, wird seine Reise vermutlich nicht wegen einer kleinen Abgabe absagen.

Aber zwischen „Die Menschen bleiben komplett weg“ und „Die Steuer hat überhaupt keine Auswirkungen“ liegt ziemlich viel Platz.

Vielleicht bleiben Gäste eine Nacht kürzer. Vielleicht entscheiden sich einzelne Besucher für Neu-Ulm. Vielleicht sparen sie die zusätzlichen Euro beim Restaurantbesuch oder beim Einkaufen.

Vielleicht passiert auch fast nichts.

Genau deshalb wäre interessant zu wissen, wie die Stadt ihre erwarteten Einnahmen berechnet hat und welche möglichen Veränderungen im Verhalten der Gäste dabei berücksichtigt wurden.

Die Hoteliers haben wenig Lust auf das Experiment

Aus der Wirtschaft kommt Kritik.

Die IHK Ulm hatte sich bereits gegen die Einführung einer Bettensteuer ausgesprochen. Auch der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga sieht die zusätzliche Belastung kritisch.

Das ist wenig überraschend.

Hotels kämpfen mit gestiegenen Energiepreisen, Personalkosten und einem Wettbewerb, bei dem Gäste Zimmerpreise mit wenigen Klicks vergleichen können.

Eine weitere Abgabe macht das Geschäft nicht einfacher. Selbst dann nicht, wenn sie am Ende vom Gast bezahlt wird.

Auf der anderen Seite steht die Stadt, die Geld braucht.

Für Infrastruktur, Kultur, soziale Angebote und all die Dinge, die eine Stadt lebenswert machen, muss irgendjemand bezahlen.

Die Idee, auch Besucher daran zu beteiligen, ist deshalb nicht grundsätzlich abwegig.

Schließlich nutzen Touristen ebenfalls öffentliche Räume, Verkehrswege und Einrichtungen.

Nur stellt sich eben die Frage, ob eine neue Steuer dafür das beste Mittel ist.

2,4 Millionen Euro. Aber wie sicher ist diese Rechnung?

Die erwarteten Einnahmen klingen zunächst verlockend.

2,4 Millionen Euro sind eine Menge Geld. Davon lassen sich einige Dinge finanzieren, die Ulm dringend gebrauchen könnte.

Allerdings sind erwartete Steuereinnahmen noch keine garantierten Einnahmen.

Entscheidend ist, wie viele Übernachtungen tatsächlich steuerpflichtig sein werden, welche Ausnahmen gelten und wie sich die Nachfrage entwickelt.

Hinzu kommt der Verwaltungsaufwand. Denn eine Steuer muss erhoben, abgerechnet und kontrolliert werden.

Deshalb wäre es interessant, von der Stadt konkrete Antworten auf drei Fragen zu bekommen:

  • Welche Annahmen liegen der Prognose von rund 2,4 Millionen Euro jährlich zugrunde?
  • Wurde berücksichtigt, dass Gäste möglicherweise auf Unterkünfte in Neu-Ulm ausweichen?
  • Wie hoch sind die voraussichtlichen Kosten für die Verwaltung und Erhebung der Steuer?

Das sind keine Fragen gegen eine Übernachtungssteuer.

Es sind Fragen, die man stellen sollte, bevor man eine neue Steuer als finanziellen Erfolg verbucht.

Vielleicht geht es gar nicht nur um drei Euro

Unsere Umfrage zeigt, dass die neue Übernachtungssteuer nicht überall auf Begeisterung stößt.

Und möglicherweise steckt hinter der Ablehnung mehr als die Sorge, dass ein Hotelzimmer künftig ein paar Euro teurer wird.

Vielleicht geht es auch um die grundsätzliche Frage, wie Städte ihre finanziellen Probleme lösen.

Durch Einsparungen? Durch neue Einnahmequellen? Durch höhere Steuern?

Oder durch eine Mischung aus allem?

Die Befürworter können argumentieren, dass drei Euro pro Nacht eine überschaubare Belastung sind und Ulm zusätzliche Einnahmen benötigt.

Die Kritiker können entgegenhalten, dass eine Stadt ihre Attraktivität nicht gerade dadurch steigert, dass sie Besucher zusätzlich zur Kasse bittet.

Beide Positionen verdienen eine sachliche Diskussion.

Und unsere Umfrage zeigt, dass diese Diskussion längst nicht abgeschlossen ist.

44 Prozent dagegen. 31 Prozent dafür. 25 Prozent ist es egal.

Die Entscheidung des Gemeinderats steht. Ab 2030 soll die Steuer kommen.

Ob sie tatsächlich Millionen einbringt, ohne dass Ulm dadurch Gäste verliert, wird sich erst zeigen müssen.

Denn eines gilt bei Zucker genauso wie bei Hotelzimmern: Wer den Preis verändert, sollte sich zumindest fragen, ob er damit auch das Verhalten verändert.

Und wenn die Antwort bei der einen Steuer ausdrücklich „ja“ lautet, sollte man bei der anderen wenigstens erklären können, warum man mit einem anderen Ergebnis rechnet.

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