Ein alter Schädel, eine unglaubliche Entdeckung und eine Professorin aus Tübingen, die unser Wissen über die Menschheit verändert hat. Katerina Harvati gehört zu den besten Forscherinnen der Welt. Jetzt bekommt sie einen Wissenschaftspreis, der Albert Einsteins Namen trägt.
Stell dir vor, du findest einen uralten Schädel. Du untersuchst ihn und stellst fest: Hoppla, die Geschichte der Menschheit müssen wir wohl noch mal neu schreiben.
Ungefähr so lässt sich beschreiben, was Katerina Harvati gelungen ist.
Die Professorin der Universität Tübingen erforscht unsere Vorfahren. Und sie hat etwas herausgefunden, das ziemlich unglaublich klingt.
Unsere Vorfahren waren möglicherweise schon 150.000 Jahre früher in Europa als bisher gedacht.
Der entscheidende Hinweis lag in Griechenland. Ein etwa 210.000 Jahre alter Schädel, der bereits in den 1970er-Jahren entdeckt worden war.
Harvati und ihr Team untersuchten ihn mit modernen Computerverfahren und kamen zu dem Ergebnis: Das war ein früher Homo sapiens. Also einer von uns.
Ein Fund, der die bisherige Vorstellung von der Besiedlung Europas ordentlich durcheinanderbrachte. Auch wenn die wissenschaftliche Einordnung des Schädels weiterhin diskutiert wird.
Und dann sind da noch 430.000 Jahre alte Werkzeuge
Als wäre das nicht genug, entdeckte Harvatis Forschungsgruppe in Griechenland Hinweise auf menschliche Besiedlung vor rund 700.000 Jahren.
Außerdem untersuchte ihr Team Holzwerkzeuge, die etwa 430.000 Jahre alt sind.
430.000 Jahre
So alt sind die untersuchten Holzwerkzeuge.
Zur Einordnung: Die Pyramiden von Gizeh sind gerade einmal rund 4.500 Jahre alt.
Als diese Werkzeuge benutzt wurden, sollte es also noch mehr als 425.000 Jahre dauern, bis die berühmten Pyramiden entstanden.
Und wir halten uns für fortschrittlich, weil wir einen Akkuschrauber besitzen.
Von Tübingen an die Weltspitze
Harvati wurde in Griechenland geboren, studierte in New York und forscht seit 2009 als Professorin an der Universität Tübingen.
Am 2. November 2026 soll sie in Argentinien den Albert Einstein World Award for Science erhalten. Eine internationale Auszeichnung für Menschen, deren Forschung die Wissenschaft entscheidend vorangebracht hat.
Das Bemerkenswerte daran?
Während andere versuchen herauszufinden, wie unsere Zukunft aussehen wird, beschäftigt sich Katerina Harvati mit unserer Vergangenheit.
Und entdeckt dabei immer wieder, dass wir längst nicht so viel über uns wissen, wie wir glauben.
Manchmal braucht es eben nur einen alten Schädel und eine ziemlich kluge Frau aus Tübingen, um 150.000 Jahre Geschichte infrage zu stellen.






