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Doch Deutschlands älteste Stadt könnte mitten im Allgäu liegen!

Wenn man an Kempten denkt, denkt man an Kässpatzen, Kühe und Menschen, die freiwillig Berge hochlaufen. An die älteste Stadt Deutschlands eher nicht. Dabei haben die Römer hier schon vor über 2.000 Jahren gewohnt. Und plötzlich bekommt Trier Konkurrenz um einen ziemlich prestigeträchtigen Titel.

Trier ist die älteste Stadt Deutschlands. Das lernt man irgendwann in der Schule, vergisst es nach der Klassenarbeit wieder und hinterfragt es eigentlich nie.

Blöd nur, dass Kempten da möglicherweise ein Wörtchen mitzureden hat.

Ja, Kempten. Im Allgäu. Dort, wo man heute Urlaub macht, wenn man gerne wandert und Käse mag.

Hier stand schon vor mehr als 2.000 Jahren eine römische Stadt. Mit Straßen, Tempeln, öffentlichen Gebäuden und Badeanlagen.

Während man sich das Allgäu gerne als Landschaft mit glücklichen Kühen vorstellt, hatten die Römer hier längst eine Art Wellnessbereich eingerichtet.

Und das ganz ohne Thermengutschein.

Die Römer hatten offenbar einen guten Immobiliengeschmack

Um 15 vor Christus eroberten die Römer den Alpenraum. Kurz darauf entwickelte sich auf dem Gebiet des heutigen Kempten eine Stadt namens Cambodunum.

Ein Name, der ein bisschen nach einem Medikament gegen Rückenschmerzen klingt, tatsächlich aber zu einem bedeutenden römischen Zentrum wurde.

Es gab Tempel, Straßen, eine Wasserversorgung und öffentliche Bäder. Also ziemlich viel von dem, was wir heute unter einer funktionierenden Stadt verstehen.

Nur die Parkplatzsituation dürfte entspannter gewesen sein.

Und jetzt kommt der spannende Teil.

Kempten stand schon in antiken Reiseführern. Gewissermaßen.

Um das Jahr 18 nach Christus erwähnte der griechische Geograf Strabon einen Ort namens Kambodounon.

Das macht Kempten zu einer der frühesten schriftlich erwähnten Städte Deutschlands.

Man muss sich das mal vorstellen: Vor rund 2.000 Jahren schrieb jemand über eine Stadt im Allgäu. Während es weder Deutschland noch Bayern gab und von Oktoberfest und Allgäuer Bergkäse als geschützten Marken noch niemand etwas ahnte.

Kempten war damals offenbar schon wichtig genug, um auf der antiken Landkarte aufzutauchen.

Und Trier? Das dürfte jetzt etwas nervös werden.

Trier bezeichnet sich traditionell als älteste Stadt Deutschlands. Die Römer gründeten die Stadt um 17 vor Christus.

Kempten könnte allerdings ebenfalls zu den frühesten planmäßig angelegten römischen Städten auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands gehören.

Archäologische Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass Cambodunum bereits kurz nach der Eroberung des Alpenraums entstand.

Heißt das, dass Kempten tatsächlich älter ist als Trier?

Nicht unbedingt.

Denn die Frage ist komplizierter, als sie klingt. Zählt die erste Besiedlung? Die Gründung einer Stadt? Oder der Moment, in dem jemand ihren Namen aufgeschrieben hat?

Je nachdem, welche Kriterien man anlegt, kommen unterschiedliche Städte infrage.

Trier muss seinen Titel also nicht gleich abgeben. Aber Kempten darf sich durchaus selbstbewusst in die Diskussion einmischen.

Die Römer haben sogar ihre Badezimmer dagelassen

Wer sich selbst davon überzeugen möchte, muss nicht erst Archäologie studieren.

Im Archäologischen Park Cambodunum in Kempten kann man heute noch Überreste der antiken Stadt besichtigen. Darunter Teile des Tempelbezirks und der römischen Thermen.

Hier haben vor rund 2.000 Jahren Menschen gelebt, gearbeitet, gebadet und wahrscheinlich über die gleichen Dinge geschimpft wie wir.

Zu hohe Abgaben. Nervige Nachbarn. Schlechtes Wetter.

Nur dass sie vermutlich keine WhatsApp-Gruppe für ihre Beschwerden hatten.

Und während wir heute stolz auf unsere Fußbodenheizung sind, hatten die Römer bereits ausgeklügelte Heizsysteme für ihre Badeanlagen.

Vielleicht waren die alten Römer doch nicht so rückständig, wie wir manchmal glauben.

2.000 Jahre Geschichte. Und die meisten denken nur an Kässpatzen.

Ob Kempten tatsächlich Deutschlands älteste Stadt ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Dass hier eines der frühesten römischen Stadtzentren auf deutschem Boden entstand, ist dagegen gut belegt.

Und das ist eigentlich schon verrückt genug.

Während wir heute darüber diskutieren, ob eine Stadt genügend Fahrradwege, Parkplätze oder Cafés mit Hafermilch hat, haben sich die Menschen hier schon vor zwei Jahrtausenden Gedanken darüber gemacht, wie man Straßen baut, Wasser verteilt und eine Stadt organisiert.

Vielleicht sollte man Kempten also beim nächsten Allgäu-Ausflug nicht nur als Zwischenstopp auf dem Weg in die Berge betrachten.

Sondern als einen Ort, an dem deutsche Stadtgeschichte möglicherweise früher begann, als viele denken.

Und falls jemand aus Trier mitliest: Keine Sorge. Die Porta Nigra bleibt euch. Aber beim Titel der ältesten Stadt würden wir vielleicht noch mal genauer hinschauen.

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