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Bettina wohnt im Wohnmobil. Und nein, das ist kein Aussteiger-Ding

Manche Menschen fahren mit dem Wohnmobil in den Urlaub. Andere kaufen sich eins und reden jahrelang darüber, irgendwann loszuziehen. Bettina hat das nie groß angekündigt. Sie hat es einfach gemacht. Seit November lebt sie dauerhaft im Wohnmobil. Nicht probeweise, nicht „mal schauen“. Das Ding ist ihr Zuhause. Und ja: Bettina hat einen ganz normalen Job mit normalen Arbeitszeiten – kein Home-Office-Ding, sondern einen echten Arbeitsplatz.

Die Wohnung war nicht das Problem. Sie war nur irgendwann überflüssig.

Bettina hatte eine Wohnung. Eine ordentliche, nichts auszusetzen. Netter Vermieter, bezahlbar, alles okay. Und trotzdem stand sie oft leer. Die Wohnung wollte gepflegt werden, auch dann, wenn man eigentlich lieber unterwegs gewesen wäre. Putzen, organisieren, zurückkommen müssen. Sicherheit fühlt sich gut an – bis sie zur Pflicht wird.


Zwei Leben parallel sind eins zu viel

Bettina fährt schon lange Wohnmobil. Allein, mit Hund, inzwischen auch mit Katze. Enge Räume schrecken sie nicht. Neu ist nur, dass sie aufgehört hat, zwei Leben gleichzeitig zu führen. Wohnung hier, Fahrzeug dort. Fixkosten hier, Freiheit dort. Heute ist alles an einem Ort.

In zwanzig Minuten ist sie startklar. Wenn irgendwo Hilfe gebraucht wird, fährt sie los und bleibt so lange, wie es passt. Zwei Tage, fünf Tage, manchmal länger. Ohne Stress, ohne schlechtes Gewissen gegenüber den Tieren, ohne das Gefühl, irgendwo anders fehlen zu müssen.

Kein Vanlife, sondern ziemlich solide Technik

Romantisch ist das alles übrigens nicht. Das Wohnmobil ist kein Hippieprojekt, sondern ziemlich solide Technik auf vier Rädern. Günstig war es nicht. Auf dem Dach arbeitet eine Solaranlage, im Inneren zwei große Batterien. Wenn nötig, kommt ganz normaler 230-Volt-Strom aus der Steckdose.

Im Sommer läuft das meiste autark. Im Winter wird mit Gas geheizt. Zwei elf Kilo schwere Gasflaschen sorgen für Wärme. In richtig kalten Phasen sind sie schneller leer, im normalen Winter hält eine etwa zehn Tage. Die Gaskosten liegen dann bei ungefähr 250 bis 300 Euro im Monat. Im Sommer fast nichts.

Sechs Euro die Nacht. Strom inklusive.

Strom von außen braucht Bettina selten. Wenn doch, steht sie auf einem Stellplatz. Sechs Euro pro Nacht, Strom inklusive. Kein Schnäppchenleben, aber überschaubar. Wasser, Abwasser, Entsorgung – alles geregelt. Der eigentliche Engpass im Alltag ist weniger Technik als die Toilettenkassette. Klingt banal, ist aber ehrlich.

Bürokratie findet das alles eher so mittel

Bettina ist weiterhin gemeldet, zahlt Hundesteuer, Müllgebühren, alles ganz brav. Nicht, weil sie dort lebt, sondern weil das System es so will. Ohne festen Wohnsitz rutscht man direkt in Steuerklasse 6 – selbst wenn man ganz normal arbeitet und zahlt.

Mobil zu leben ist in Deutschland okay. Solange man es bitte nicht zu konsequent tut.

„Man braucht doch eine Wohnung.“ Ja, aber warum eigentlich?

Das ist der Satz, den sie am häufigsten hört. Warum genau man eine Wohnung braucht, kann dann oft niemand so richtig erklären. Man macht das eben so. Es ist Gewohnheit, als Notwendigkeit getarnt.

Freiheit ist hier kein Ziel, sondern ein Nebeneffekt

Bettina selbst redet kaum von Freiheit. Sie redet von weniger Ballast. Davon, Dinge loszuwerden, die man lange mit sich rumschleppt, ohne zu wissen warum. Kein Garten, der gemäht werden will. Keine Nebenkostenabrechnung. Keine Heizung, die plötzlich streikt.

Stattdessen ein überschaubarer Alltag, der zu ihr passt.

Wie lange noch? Gute Frage.

Wie lange sie so leben will, weiß sie nicht. Vielleicht ein paar Jahre, vielleicht länger. Aber sie weiß, dass sie es jetzt kann. Und dass sie es später vielleicht nicht mehr könnte. Ihre Kinder finden es gut. Eine Tochter meinte nur: „Wurde auch Zeit.“

Vielleicht ist das die eigentliche Pointe

Bettina lebt nicht im Wohnmobil, um besonders zu sein. Sie lebt so, weil es funktioniert. Was andere Urlaub nennen, ist für sie Alltag. Und was andere Sicherheit nennen, war für sie irgendwann einfach zu viel.

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