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Jeden Tag gehen drei Ulmerinnen und Ulmer in Rente

910 Beschäftigte gehen in Ulm jedes Jahr in Rente. Für die einen heißt das endlich ausschlafen. Für die anderen: Mist, wer übernimmt jetzt eigentlich den Laden?

45 Jahre gearbeitet, unzählige Montage überstanden, vermutlich ein paar tausend Tassen Kaffee getrunken. Und dann ist er da: der letzte Arbeitstag. Die Kollegen bringen Kuchen mit, der Chef einen Blumenstrauß. Ab morgen klingelt kein Wecker mehr. Herrlich.

Nur hat die Sache einen Haken. Denn in Ulm verabschieden sich nach Berechnungen des Pestel-Instituts im Schnitt rund 910 Beschäftigte pro Jahr in den Ruhestand. Darauf macht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam.

Das sind etwa 76 Menschen im Monat. Oder fast drei pro Tag. Menschen, die Maschinen reparieren, Brötchen backen, Gäste bedienen oder seit Jahrzehnten wissen, warum die Heizung im dritten Stock immer spinnt.

Und dieses Wissen geht manchmal gleich mit in Rente.

Die Babyboomer machen Feierabend

Das Problem ist größer als Ulm. Deutschland erlebt gerade eine ziemlich große Abschiedsparty. Laut Statistischem Bundesamt werden bis 2040 rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter überschritten haben. Das entspricht etwa 30 Prozent der Erwerbspersonen von 2025.

Und der Nachwuchs? Ist zahlenmäßig kleiner.

In der gesamten IHK-Region Ulm, also einschließlich Alb-Donau-Kreis und Landkreis Biberach, könnten bis 2035 rund 69.000 Beschäftigte in Rente gehen. Gleichzeitig fehlen Unternehmen laut IHK-Fachkräftemonitor bereits heute rund 7.900 Arbeits- und Fachkräfte. Bis 2035 könnten es 13.450 sein.

Das klingt nach einem Problem für Personalabteilungen. Ist aber auch eines für alle, die irgendwann einen Handwerker brauchen, einen Pflegeplatz suchen oder sonntags gerne frische Brötchen hätten.

Wobei natürlich nicht jeder Rentner automatisch eine offene Stelle hinterlässt. Manche Jobs verschwinden, andere verändern sich. Und künstliche Intelligenz kann einiges übernehmen. Nur beim Wasserrohrbruch wird ChatGPT vermutlich weiterhin wenig helfen.

45 Jahre gearbeitet. Reicht das nicht?

Die NGG fordert, dass Beschäftigte nach 45 anrechenbaren Versicherungsjahren weiterhin ohne Abschläge früher in Rente gehen können, wenn sie das dafür vorgesehene Alter erreicht haben.

Ihr Argument: Wer mit 16 angefangen hat, körperlich zu arbeiten, sollte nicht dafür bestraft werden, dass er früher ins Berufsleben eingestiegen ist.

Gleichzeitig steht Deutschland vor einer unbequemen Frage: Wie finanzieren wir die Rente, wenn immer mehr Menschen sie beziehen und weniger Erwerbstätige nachkommen?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Und vermutlich auch keine, die allen gefällt.

Vielleicht liegt die Lösung nicht darin, dass alle länger arbeiten

Sondern darin, Arbeit attraktiver zu machen. Bessere Bedingungen, flexiblere Arbeitszeiten, mehr Ausbildung, qualifizierte Zuwanderung. Und vielleicht die Möglichkeit, auch im Ruhestand noch ein bisschen weiterzuarbeiten, wenn man das möchte.

Denn eines sollte bei der ganzen Debatte nicht untergehen: Die Menschen, die jetzt in Rente gehen, haben sich ihren Feierabend verdient.

Die eigentliche Frage ist nicht, wie wir sie möglichst lange im Büro oder in der Werkstatt behalten. Sondern wie Ulm auch dann noch funktioniert, wenn sie endlich ausschlafen dürfen.


Quellen: Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Pestel-Institut, IHK Ulm (Fachkräftemonitor, September 2026), Statistisches Bundesamt (Juni 2026). Die Zahl von 910 jährlichen Renteneintritten stammt aus der NGG-Pressemitteilung und wurde nicht unabhängig anhand der Originalberechnung überprüft.

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