
Man läuft durch die Ulmer Altstadt, nichtsahnend. Und dann ist sie plötzlich da. Oder besser: fast nicht da. Ein schmaler Durchlass zwischen zwei Häusern, so eng, dass man unwillkürlich langsamer wird. Das hier ist vermutlich die schmalste Gasse Ulms. Kein offizielles Schild, kein Rekord. Nur ein Ort, der zeigt, wie Stadt früher gedacht wurde.
Die Gasse liegt unscheinbar hinter dem Münsterquartier, zwischen gewachsenen Häuserzeilen. Entstanden ist sie nicht aus Romantik, sondern aus Notwendigkeit. Im mittelalterlichen Ulm war Platz kostbar. Jeder Meter wurde genutzt, jedes Grundstück bis an die Grenze bebaut. Was übrig blieb, waren solche Spalten. Funktionsräume, keine Wohlfühlorte.
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Heute wirkt diese Enge fast fremd. Zwei Menschen kommen nur mit kurzem Zögern aneinander vorbei. Fahrräder haben hier keine Chance. Und genau das macht den Reiz aus. Die Gasse zwingt zur Aufmerksamkeit. Man schaut hoch, auf die Dächer, die Fassaden, die Nähe.
Sie ist das Gegenteil moderner Stadtplanung. Kein Platz, kein Konzept, keine Aufenthaltsqualität im klassischen Sinn. Aber Geschichte zum Anfassen. Während anderswo Glas, Beton und klare Linien dominieren, erinnert diese kleine Gasse daran, dass Städte einmal einfach passiert sind. Ungeplant. Verdichtet. Menschlich.
Vielleicht ist sie deshalb so spannend. Weil sie zeigt, wie viel Charakter auf wenigen Quadratmetern entstehen kann. Und weil sie leise fragt, was wir heute eigentlich verlieren, wenn wir alles neu und ordentlich machen wollen.
Man muss nicht lange bleiben. Aber einmal durchgehen lohnt sich.




