
Studieren ohne Abi – und dann Deutschland retten
Es gibt diese Räume, die sieht man und denkt: nichts Besonderes. Tische, Stühle, Whiteboard, irgendwo brummt eine Kaffeemaschine. Alles wie immer. Und dann sitzen da Menschen, die eigentlich längst fertig sein müssten.
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Keine Erstis. Keine „Ich schau mal, was ich studiere“-Leute. Sondern Menschen mit Job. Mit Verantwortung. Mit Alltag. Menschen, die morgens schon Meetings hatten, bevor sie hier reinkommen. Und trotzdem sitzen sie wieder da. Hochschule Neu-Ulm. Studiengang: Management, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Klingt nach drei Buzzwords, die man irgendwo aus einem Pitch geklaut hat. Ist aber eher das Gegenteil davon.
Viele von ihnen haben kein Abitur. Die sind nicht den geraden Weg gegangen. Ausbildung, Job, weitergemacht. So lange, bis irgendwann dieser Gedanke kommt, den man schlecht wegdiskutieren kann: So wie es gerade läuft, fühlt es sich irgendwie falsch an. Nicht schlimm genug, um alles hinzuschmeißen. Aber auch nicht gut genug, um einfach weiterzumachen.
Also setzen sie sich wieder in einen Raum, der aussieht wie Schule. Nur dass hier niemand mehr so tut, als hätte er alle Antworten.
Hier geht es nicht darum, etwas auswendig zu lernen. Hier geht es darum, Dinge zu hinterfragen, die man jahrelang einfach gemacht hat. Warum machen wir das eigentlich so? Warum fühlt sich das alles so kompliziert an? Und warum spricht das keiner aus? Fragen, die im Job oft eher nerven. Hier sind sie plötzlich erlaubt.
Deutschland ist ziemlich gut darin, Dinge zu bauen. Maschinen, Prozesse, Systeme. Das können wir. Was wir weniger gut können: stehen bleiben und sagen, Moment mal, macht das eigentlich noch Sinn?
Stattdessen wird optimiert. Ein bisschen schneller, ein bisschen effizienter. Und irgendwann merkt man: Wir optimieren etwas, das vielleicht längst überholt ist.
Genau da wird es interessant.
Denn dieser Studiengang bringt keine Leute hervor, die einfach nur besser funktionieren. Sondern Leute, die anfangen, Dinge anders zu sehen. Die merken, dass „Digitalisierung“ oft nur bedeutet, dass ein schlechter Prozess jetzt digital ist. Und dass „Nachhaltigkeit“ manchmal einfach nur ein schöner Begriff ist, unter dem alles weiterläuft wie bisher.
Das steht so natürlich in keinem Modulhandbuch. Das passiert zwischen den Zeilen. In Gesprächen. In Momenten, in denen jemand plötzlich merkt: Das Problem bin nicht ich. Das Problem ist das System.
Und vielleicht ist genau das der Punkt.
Die meisten hier wollen kein komplett neues Leben. Kein Startup, kein radikaler Cut. Sie wollen einfach verstehen, was sie da eigentlich jeden Tag tun. Und ob es nicht auch anders geht.
Während überall von Innovation geredet wird, passiert sie oft genau hier. In Räumen, die aussehen wie ganz normale Klassenzimmer. Mit Menschen, die nicht laut sind, nicht viral gehen, aber anfangen, die richtigen Fragen zu stellen.
Und manchmal reicht genau das schon.




