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Ulm – die komplizierte Stadt

Man kann Ulm mögen und sich trotzdem regelmäßig an ihr reiben. Vielleicht sogar gerade deshalb. Denn Ulm ist so etwas wie der Beweis, dass eine Stadt mit besten Voraussetzungen erstaunlich viel Energie darauf verwenden kann, ihren Alltag zu verkomplizieren.

Das Absurde ist: Ulm scheitert nicht an großen Krisen. Ulm scheitert an Details. An Planung. An Haltung. An der stillen Überzeugung im Rathaus, dass man schon wisse, was gut für die Menschen sei.

Die Baustelle als Grundzustand

Baustellen gehören zur Stadt wie Tauben und Parkautomaten. Aber Ulm hat daraus ein Lebensgefühl gemacht. Wer durch die Innenstadt läuft, bewegt sich weniger durch urbanen Raum als durch ein pädagogisches Experiment in Geduldserziehung.

Es geht längst nicht mehr um Reparatur oder Erneuerung. Es geht um Dauer. Um Gleichzeitigkeit. Um eine Planung, die offenbar davon ausgeht, dass Handel, Gastronomie und Aufenthaltsqualität sich irgendwie nebenbei mitentwickeln.

Tun sie nicht.

Verkehrspolitik als Moralfrage

Die Ulmer Verkehrspolitik wirkt zunehmend wie ein Glaubensbekenntnis. Autos sind schlecht. Punkt. Wer sie nutzt, hat offenbar etwas nicht verstanden. Oder falsch gelebt.

Das Problem ist nicht das Ziel. Weniger Verkehr, mehr Lebensqualität. Das Problem ist der Weg. Denn Politik, die Alltagsrealitäten ignoriert, wird nicht progressiv, sondern arrogant. Pendler, Familien, Menschen aus dem Umland existieren in Konzeptpapieren oft nur als Störgröße.

So entsteht keine Mobilitätswende. So entsteht Widerstand.

Sedelhöfe: Beton gewordene Ahnungslosigkeit

Die Sedelhöfe sind kein Einzelfehler. Sie sind ein Lehrstück. Ein Ort, der beweist, dass man sehr viel Geld ausgeben kann, um etwas zu schaffen, das niemand wirklich gern nutzt.

Alles ist korrekt. Alles ist ordentlich. Alles ist durchdacht.

Und nichts fühlt sich gut an.

Wenn Stadtplanung nicht versteht, dass Wohlfühlen kein Nebeneffekt, sondern Kernaufgabe ist, entstehen genau solche Orte: funktional, kalt, austauschbar.

Das eigentliche Defizit

Ulm fehlt kein Geld.

Ulm fehlt keine Intelligenz.

Ulm fehlt kein Engagement.

Ulm fehlt etwas viel Unangenehmeres: Selbstzweifel.

Die Bereitschaft, sich zu fragen, ob man wirklich richtig liegt. Ob man den Menschen gerade dient oder sie erzieht. Ob Beteiligung ernst gemeint ist oder nur verwaltet wird.

Ulm könnte es besser. Sofort.

Diese Stadt müsste nicht neu erfunden werden. Sie müsste nur aufhören, sich selbst im Weg zu stehen. Weniger Ideologie, mehr Pragmatismus. Weniger Belehrung, mehr Einladung.

Städte funktionieren nicht, weil sie recht haben.

Sie funktionieren, weil Menschen sich in ihnen wiederfinden.

Ulm ist immer noch toll.

Aber im Moment wirkt es, als wolle es das nicht mehr so genau wissen.

Und das ist vielleicht das größte Problem von allen.

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