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Eselsburger Tal: Das schönste Tal der Region?

Es gibt Orte, bei denen man versteht, warum sich Bundespräsidenten die Zeit nehmen, kilometerweit zu wandern. Das Eselsburger Tal bei Herbrechtingen ist so ein Ort. Ein Flusstal, das die Brenz fünf Kilometer lang wie eine Schleife zieht — umgeben von steilen Kalkfelsen, wilden Sagen und über 1.000 Jahren Geschichte. Und das Beste? Es ist nur eine knappe Stunde von Ulm entfernt.

Was ist das Eselsburger Tal, und warum sollte man hin?

Das Eselsburger Tal ist ein als Naturschutzgebiet geschützter Abschnitt des Brenztals bei Herbrechtingen — einer der schönsten Flussschleifen auf der sonst eher trockenen Ostalb. Die Brenz umfließt dort in einer 5 Kilometer langen Schleife den Höhenzug “Buigen”, weshalb das Tal auch “Buigenschleife” heißt.

Das Eselsburger Tal ist vor allem für seine Naturschönheiten bekannt; die berühmteste darunter sind die „Steinernen Jungfrauen” — zwei charaktervolle Felsnadeln, die aus dem Tal aufragen wie eine Warnung aus der Vergangenheit. Und ja, dazu gibt es eine Sage. Aber dazu später.

Was das Tal heute so besonders macht: Es ist nicht verbaut, nicht zerschnitten, nicht vermarktet — es ist einfach noch da, wie es war. Flusstal, Bannwald und Wacholderheide geben sich in diesem bezaubernden und sensiblen Naturschutzgebiet ein Stelldichein. Mit Licht. Mit Blick. Mit echtem Raum zum Atmen.


Ein Bundespräsident als Kompliment

Bundespräsident Karl Carstels, der im April 1981 bei einer seiner zahlreichen Wander-Etappen durch Deutschland das Tal durchquert hatte, bemerkte später, es sei eines der lieblichsten Täler auf seinen Wanderungen gewesen. Der Mann ist durch Deutschland gewandert — und für ihn war das Eselsburger Tal herausragend genug, um sich zu merken.

Das sagt mehr aus als jede Tourismus-Bewertung.

Vom Neandertaler bis zur Burg: eine kurze Geschichte

Das Eselsburger Tal ist nicht einfach schön — es ist historisch reich. Bereits in der Steinzeit durchstreifte der Homo sapiens das Tal, jagte Rentiere und Bären und suchte Schutz in den Höhlen der Kalkfelsen. Später siedelten hier Kelten, dann Alamannen und schließlich Römer.

Klingt wie eine Aufzählung, aber das bedeutet: Menschen haben sich hier seit etwa 40.000 Jahren versteckt, gejagt, gebetet und Burgen gebaut. Das Tal hat alle überdauert.

Im Jahr 774 wurde in Herbrechtingen das erste der drei Brenztalklöster gegründet, und die steilen Felsen im Tal luden zum Bau von Burgen ein. Das Kloster Anhausen etwa — ein ehemaliges Benediktiner-Abtei — steht noch heute am Taleingang, auch wenn man es heute nicht einfach so besuchen kann.

Die Burg Eselsburg — Namenspatin des Tales — wurde das erste Mal 1244 erwähnt. Sie unterstand erst den Grafen von Dillingen, später den Grafen von Helfenstein und beinhaltete viele Güter. Dann kam der Niedergang: Ab 1593 war die Burg nicht mehr bewohnt und verfiel. Heute sind von der einst prächtigen Burg nur noch Schütthügel von verfallenen Gebäuden, ein Mauerrest sowie ein Teil des Wallgrabens sichtbar.

Es ist nicht beeindruckend im Sinne von Instagram-würdig. Es ist beeindruckend im Sinne von: Hier stand mal was, und jetzt wuchs die Natur einfach drüber.


Die Sage der Steinernen Jungfrauen

Und jetzt zur Geschichte, wegen der du selbst wandern gehen wirst:

Eine Sage erklärt die Entstehung der „Steinernen Jungfrauen” und die Entstehung der Ruine der Eselsburg folgendermaßen: „Auf der Eselsburg über dem Tal soll einmal ein Burgfräulein gelebt haben, dem alle Freier nicht gut genug waren. Das Burgfräulein wurde älter und die Freier blieben aus. Daraufhin hasste sie alle Männer. Ihr Hass ging so weit, dass sie ihren beiden Mägden den Umgang mit Männern verbot. Als diese jedoch einmal mit einem jungen Fischer auf den Eisteich hinausfuhren, sollen sie von der bösen Jungfer in die zwei ‚Steinernen Jungfrauen’ verwandelt worden sein. Am selben Abend soll ein Blitz in die Eselsburg eingeschlagen haben. In dem von ihm entfachten Feuer sei die Jungfer verbrannt.”

Das ist nicht irgendeine Sage. Das ist: Frau wird bitter, verflucht ihre Dienerinnen zur Strafe, bekommt vom Universum einen Blitzschlag direkt ins Gesicht. Ein Moralsatz im Mittelalter-Format.

Und die zwei Felsspitzen sind bis heute zu sehen — stehen da wie eine Mahnung.

Praktisch: Wie man hinkommt und was man machen kann

Okay, du bist überzeugt? Hier’s konkret:

Anfahrt: Von Ulm aus ca. 45 Minuten mit dem Auto nach Herbrechtingen oder Eselsburg. Alternativ: Mit der Regionalbahn nach Herbrechtingen (Bahnhof vorhanden), von dort kannst du direkt loswandern.

Parkplatz: Wanderparkplatz oberhalb des Ortes Eselsburg — gut ausgeschildert.

Wanderrouten: Auf gekennzeichneten Rundwegen kann man das Eselsburger Tal zu Fuß erkunden und dabei unterschiedlich lange Strecken wählen. Die Rundwege sind zwischen drei und zehn Kilometer lang. Das heißt: Ob du eine Stunde Zeit hast oder einen ganzen Morgen, du findest deine Route.

Die beliebteste Route führt zu den Steinernen Jungfrauen und ist mittelschwer — nicht für Anfänger mit Kinderwagen, aber auch nicht für Alpinisten.

Einkehrmöglichkeiten: In Eselsburg und Herbrechtingen gibt es mehrere Gasthäuser und Cafés.

Jahreszeit: Mai bis Oktober ist ideal. Im Sommer ist’s schön, im Herbst sogar noch schöner — weniger Wanderer, herbstliches Licht in den Felsen, Wacholderheide in voller Blüte.

Warum dich das Tal angehen wird

Das Eselsburger Tal ist nicht spektakulär im Sinne von “große Wasserfälle” oder “alpine Gipfel”. Es ist spektakulär, weil es still ist. Weil Menschen hier seit der Steinzeit wandern. Weil eine Burg verfiel und das Tal doch blieb. Weil zwei Felsen eine Geschichte erzählen, die 800 Jahre alt ist und immer noch nachwirkt.

Und weil du, wenn du dort stehst und über die Brenz schaust, verstehst, warum ein Bundespräsident es für erwähnenswert hielt.

Alle Infos:

  • Anfahrt: Herbrechtingen (ca. 45 min von Ulm)
  • Dauer: 2–3 Stunden
  • Schwierigkeit: Mittel
  • Best for: Wanderer, Sagenfans, Menschen die Stille mag
  • Geheimtipp: Komm im Mai oder September. Dann ist es ruhig.

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