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“Ich wollte nur zwei Jahre bleiben“

Ich bin auf Teneriffa aufgewachsen und dort auf eine deutsche Schule gegangen. Medizin habe ich später in Pamplona studiert. Nach Deutschland kam ich wegen meiner Doktorarbeit.

Dann kamen die Liebe, die Kinder, die Familie. Und irgendwann merkt man: Man ist nicht mehr nur irgendwo geblieben. Es ist Heimat geworden.

„Man ist nicht mehr nur irgendwo geblieben. Es ist Heimat geworden.“

Menschen kommen oft erst nach Jahren

Heute bin ich 60 und Psychiater bei CuraMed. Ich behandle Menschen mit Depressionen, Burnout, Angst, Panik oder Zwängen. Manche leiden schon seit Jahren, bevor sie zu uns kommen.

Und ich glaube, es gibt viel mehr Menschen, die Hilfe bräuchten, aber nicht kommen, als Menschen, die tatsächlich bei uns sitzen. Vielleicht weil sie Angst haben. Vielleicht weil sie glauben, dass es Schwäche bedeutet, sich Hilfe zu holen.

Manchmal muss sich auch das Leben verändern

Was ich in all den Jahren gelernt habe: Man kann einen Menschen behandeln. Aber manchmal muss sich auch sein Leben verändern.

Wenn jemand nach einer intensiven Therapie wieder genau in dieselben Strukturen, denselben Stress und dieselben Verhaltensmuster zurückkehrt, können auch die alten Probleme zurückkommen.

„Man kann einen Menschen behandeln. Aber manchmal muss sich auch sein Leben verändern.“

Therapie mitten im Alltag

Deshalb finde ich das Konzept einer Tagesklinik so spannend. Die Patienten kommen morgens zu uns und gehen am Nachmittag wieder nach Hause.

Sie sind also nicht wochenlang aus ihrem Leben herausgenommen. Sie erleben ihren Alltag, ihre Familie und ihre Probleme weiter. Und was am Abend passiert, können sie am nächsten Morgen direkt mit in die Therapie bringen.

Die Schwelle müsste viel niedriger sein

Was mich beschäftigt: Es gibt viele Menschen, die Hilfe brauchen und trotzdem viel zu lange warten. Manche kommen erst nach Jahren.

Ich würde mir wünschen, dass die Schwelle, zu einem Psychiater oder Psychologen zu gehen, viel niedriger wäre. Denn je früher wir Menschen erreichen, desto mehr können wir tun.

„Je früher wir Menschen erreichen, desto mehr können wir tun.“

Mit 60 ans Aufhören? Eher nicht.

Vielleicht denke ich deshalb auch mit 60 noch nicht wirklich ans Aufhören. Irgendwann könnte ich mir vorstellen, im Winter sechs Monate auf Teneriffa zu verbringen und die andere Hälfte des Jahres hier.

Ein bisschen weniger arbeiten. Aber gar nicht mehr? Das kann ich mir schwer vorstellen. Psychiater kann man so viel Gutes tun.

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