Anne bleibt nicht im Schwabenland.
„Wenn wir mal nach Ulm gefahren sind, war das immer so: Wow.“
New York war erst einmal nur ein Traum.
Anne Schwedt wächst in Oberschwaben auf. Ulm ist damals schon die große Stadt. Und New York? Eine andere Welt. 2008 kommt sie zum ersten Mal in die USA. Die Reise bleibt hängen. Aus dem Gedanken „Da will ich nochmal hin“ wird irgendwann ein ziemlich konkreter Plan: Hier will sie leben.
Dazwischen liegt noch London, wo sie ihren Master in Business & Finance macht. Dann wird aus dem Plan ernst: 2016 packt Anne sechs Koffer und zieht nach New York.
„Anne zieht in die USA und macht dort ihre erste Million.“
Im Gespräch erzählt Anne selbst, wie sie ihren Weg erlebt hat: vom Schwabenland nach New York, vom ersten kleinen Depot bis zu einem Leben, in dem Geld für sie heute anders funktioniert.
5.000 Dollar im Depot. Und eine andere Welt.
Als Anne in New York ankommt, liegen nach ihren Angaben rund 5.000 Dollar in ihrem Depot. Nicht gerade das klassische Startkapital für die große Millionärsgeschichte. Sie arbeitet an der Wall Street und als Finanzjournalistin und lernt dabei eine Welt kennen, in der über Geld deutlich selbstverständlicher gesprochen wird als zu Hause.
„Ich bin weder reich geboren, noch hatte ich sonst irgendwie reich geerbt“, sagt sie uns. Was sich in New York verändert, ist vor allem ihr Blick auf Geld. Geld liegt nicht nur auf dem Konto. Kapital kann arbeiten. Und Börse bedeutet nicht automatisch: Aktie kaufen und jahrelang hoffen.
„Über Geld spricht man grundsätzlich nicht.“
Was sie an der Wall Street gelernt hat.
Viele kennen Börse ungefähr so: Aktie kaufen, warten und hoffen, dass sie irgendwann mehr wert ist. Anne macht noch etwas anderes. Sie arbeitet mit Optionsstrategien und nennt das ziemlich anschaulich „Aktien vermieten“.
Vereinfacht gesagt verkauft sie Optionen und bekommt dafür Prämien. Das kann zusätzliche Einnahmen bringen. Zauberei ist es trotzdem nicht. Kurse können fallen, Strategien können schiefgehen und Verluste gehören zum Risiko.
Und Anne kennt die andere Seite. Sie erzählt offen davon, bei Anlageversuchen auch schon sechsstellige Verluste gemacht zu haben. Das passt nicht ganz zum üblichen Social-Media-Märchen vom schnellen Reichtum. Genau deshalb gehört es hier dazu.
Mit 26: Burnout.
Zu dieser Geschichte gehört allerdings noch eine andere Zahl: 26. In diesem Alter erlebt Anne einen Burnout. Erfolg, New York und Karriere klingen von außen glamourös. Von innen offenbar nicht immer.
Später erreicht sie den Punkt, den sie finanzielle Freiheit nennt. Heute verdient sie auch damit Geld, anderen ihre Sicht auf Börse und Optionsstrategien zu vermitteln.
Heute blickt sie auf New York hinunter.
Heute wohnt Anne im 50. Stock in New York. Ziemlich weit weg von dem Ort, an dem Ulm früher schon für ein „Wow“ gereicht hat. Der Kontrast ist fast zu schön, um ihn sich auszudenken: Oberschwaben unten, Manhattan ganz oben.
Und vielleicht sieht man manches erst deutlicher, wenn man weit genug weg ist. Beim Thema Geld jedenfalls hat Anne einen ziemlich klaren Blick auf Deutschland.
„Warum findet finanzielle Bildung in Deutschland in den Schulen nicht statt?“
Wie viel finanzielle Unabhängigkeit will ein System?
Anne geht noch einen Schritt weiter. Sie fragt sich, ob es wirklich nur Zufall ist, dass finanzielle Bildung in deutschen Schulen so wenig Raum bekommt. Ob ein System vielleicht sogar davon profitiert, wenn Menschen wenig über Vermögensaufbau und Kapitalmärkte wissen. Das ist ihre These. Belegen lässt sich diese Absicht nicht.
Aber die Kritik dahinter trifft einen echten wunden Punkt. Schule soll aufs Leben vorbereiten. Trotzdem verlassen viele junge Menschen die Schule, ohne systematisch gelernt zu haben, wie ein ETF funktioniert, was Zinseszins bedeutet, wie man Risiko einschätzt oder wie Vermögensaufbau funktioniert. Deutschland hat bis heute kein flächendeckendes eigenes Schulfach dafür. Selbst die OECD empfahl Deutschland 2024 ausdrücklich eine nationale Strategie zur Stärkung der Finanzkompetenz. Man muss Annes Systemkritik also nicht teilen, um die Frage berechtigt zu finden: Warum ist der Umgang mit Geld nicht längst selbstverständlicher Teil von Schule?
„Die Green Card wird einem hier auch nicht geschenkt.“
Der Traum von Amerika hatte allerdings seinen Preis. Anne sagt, die Auswanderung sei eines der schwierigsten Dinge ihres Lebens gewesen. Für ihren eigenen Weg zum dauerhaften Aufenthalt habe sie 15 Arbeitsplätze geschaffen und mehr als eine Million Dollar investiert.
Das ist ihr konkreter Einwanderungsweg. Eine allgemeine Anleitung für eine Green Card ist das nicht.
Was macht man mit Freiheit?
Und dann wird die Geschichte plötzlich viel interessanter als Penthouse, Depot und Wall Street. Anne erzählt uns, dass sie in Kenia Kindern aus armen Familien den Schulbesuch finanziert.
Für sie ist Bildung der Schlüssel, um aus Armut herauszukommen. Und damit schließt sich der Kreis ziemlich gut: In New York geht es um finanzielle Bildung. In Kenia erst einmal darum, überhaupt Bildung zu bekommen. Beides soll am Ende dasselbe schaffen: mehr eigene Möglichkeiten.
Vom Sparbuch in Oberschwaben zur Wall Street in New York. Dazwischen liegt kein gerader Weg.
Annes Weg.
Von Oberschwaben nach New York.
Was wir zusätzlich recherchiert haben.
Persönliche Aussagen aus dem Video sind als Aussagen von Anne gekennzeichnet. Biografische und finanzbezogene Angaben wurden, soweit öffentlich auffindbar, mit aktuellen Quellen abgeglichen.
- Anne Schwedt – eigene Website
- Gewinnermagazin, 1. September 2026
- Anne Schwedt – LinkedIn
- OECD – Finanzkompetenz in Deutschland stärken