Schülerzeitungen: Wir liebten dieses Grauen!

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Schülerzeitungen. Entweder man hat sich für sie geschämt, oder für sie geschrieben. Manchmal auch beides. Die Druckqualität war schlimmer als das Bild der Liveübertragung der ersten Mondlandung und die darin enthaltenen Witze ein Armutszeugnis des Deutschen Humors.

Trotzdem waren sie für uns Schüler interessant. Es war unsere Zeitung! In mühevoller Kleinarbeit wurden Rätsel mit Bleistift auf Papier gezeichnet. Diese wurden anschließend von einem technisch unbegabten Lehrer so runterskaliert, dass man am Ende nichts mehr erkannte. Schwarzweiß kopierte Farbfotos machten aus jedem Mädchenschwarm ein Monster mit vier Augen und ließen Klassenfahrten aussehen wie Reisen in Kriegsgebiete. Dennoch: Die Bravo und die Schülerzeitung- sie gehörten einfach zum Schülerleben wie der erste Liebesbrief, das erste Erröten und clevere Spickzettel. Und welch Überraschung: Auch beim Thema Schülerzeitung bricht Ulm wieder mal alle Rekorde.

Die älteste noch erscheinende Schülerzeitung Deutschlands wird von den Schülern des Kepler-Gymnasiums geschrieben. „Der Kepler-Kessel“ scheint seit 1947. Um die Zeitung gründen zu dürfen, brauchten die Schüler noch die Genehmigung der Militärregierung.